Die heutige Situation
Die heutige
Situation
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Die WHO (Weltgesundheitsorganisation ist sich der Tatsache wohl bewusst, dass richtige Hygiene von grundlegender Bedeutung ist. Die sie betreffenden Probleme gehören zu den größten Menschheitsplagen in einer Zeit großer Umwälzungen und Entwicklungen. |
Die Zahl der Menschen auf der Erde wird für das Jahr 2050 auf 9,5 Milliarden prognostiziert. Mit einem Wachstum von fast 90 Millionen Menschen jährlich steigt auch das wahrscheinliche Risiko einer Ansteckung durch Mikroben von Mensch zu Mensch. Hinzu kommen die erhöhten Risiken durch Überbevölkerung in bestimmten Teilen der Welt.
Die zahlreichen Migrationsbewegungen Einzelner oder ganzer Gruppen erhöhen die Gefahren der Übertragung von Mikroben. So bewegen sich fast 110 Millionen Menschen jährlich vorübergehend oder endgültig von einem Land zum anderen und erhöhen auf diese Weise das Risiko der Verbreitung neuer Mikroorganismen in bislang davon verschonten Gebiete. Diese Verbreitung wird um so schneller vonstatten gehen, als 65 % der Weltbevölkerung in Städten leben, in einem Umfeld also, dass die Kreuzkontamination begünstigt; diese Tendenz scheint sich in den kommenden Jahren noch zu bestätigen.

Neue Lebensgewohnheiten
Die Änderung der Lebensgewohnheiten verstärkt ihrerseits die Gefahr
einer Übertragung von Mikroben im Alltag.
Der moderne Mensch konsumiert Nahrungsmittel jeglicher Herkunft, ohne ausreichende Vorsichtsmaßnahmen zu treffen, während doch zahlreiche Herkunftsländer dieser Produkte unterschiedliche Hygienestandards haben. Im übrigen führen neue Garmethoden mit zum Teil sehr kurzer Kochzeit, die steigende Beliebtheit roh zu verzehrender Nahrungsmittel und der Konsum tiefgefrorener Lebensmittel dazu, dass die Ernährungsrisiken ständig zunehmen.
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Hinzu kommt noch, dass der Mensch aufgrund des steigenden Angebots neuer Medikamente auf dem Markt immer mehr davon zu sich nimmt. Nun hat aber die wachsende Zahl der Behandlungen mit Antibiotika eine direkte Auswirkung auf die Resistenz von Mikroben gegenüber den herkömmlichen Therapien. |
Hier liegen die Probleme: Abnehmende Wirkung von Medikamenten, zunehmende Anzahl von Mikroben aus der ganzen Welt, die von immer mobileren Menschen eingeschleppt werden.
Millionen Menschen reisen jedes Jahr in der Welt herum und vergrößern dadurch die Risiken einer Verseuchung mit Mikroorganismen, die bislang vor Ort unbekannt waren und gegen die der Organismus keine Abwehr besitzt.
Die Zahl der
Menschen, die unter einer
Immundepression
und einer
Immunsuppression
leiden, nimmt unentwegt zu,
was zurückzuführen
ist auf das stetige Ansteigen der Lebenserwartung, auf die Entstehung
neuer
Krankheiten und die Entwicklung
neuer Behandlungsmöglichkeiten wie die
Transplantation von Organen, die
wegen der danach nötigen
Verabreichung von
Medikamenten zur Unterbindung der Organabstoßung
mit gesteigerter
Infektanfälligkeit
einher geht.
Zu diesen „Risikogruppen"
genannten
Gruppen von
Personen
gehören auch
Babys, deren Immunsystem einige Monate zum Aufbau braucht
sowie
Schwangere, da
die Entwicklung des Embryos gefährdet
werden könnte.
Aber was verbirgt sich hinter dem Begriff „Bedrohung durch Mikroben"?
Die Forschung und die phantastischen Errungenschaften des vergangenen Jahrhunderts haben uns die Ermittlung der Gefahren von Mikroben im Alltag ermöglicht. Vor allem aber haben sie uns die Erkenntnis ermöglicht, dass man nicht immer Mikrobe und Krankheit zusammen in einen Topf werfen soll. Denn nur eine geringe Anzahl von Mikroben, pathogene Mikroben genannt, kann sich schädlich auf die Gesundheit auswirken. Die überwiegende Mehrheit der Mikroben jedoch ist nicht pathogen und stellt für den Menschen keinerlei Gefahr dar.
Besser noch, einige von ihnen sind sogar sehr nützlich. Sie bevölkern unsere Darmflora, befinden sich in zahlreichen Nahrungsmitteln wie in Yoghurt, Brot oder bestimmten Käsesorten, sie spielen bei der organischen Abfallverwertung eine positive Rolle und scheiden Substanzen aus, aus denen Medikamente gewonnen werden, kurz, sie leisten einen beachtlichen positiven Beitrag und fördern die Entwicklung und das Wohlbefinden der Gesellschaft.
Eine große Anzahl dieser Mikroorganismen ist heute schon erfasst und neu entdeckte Organismen werden rasch in das Verzeichnis aufgenommen, besonders wenn sie pathogener Natur sind.
Mikroorganismen lassen sich in verschiedene Familien einordnen:
Bakterien:
Einzellige
Organismen unterschiedlicher
Form (zylindrisch, kugelig,
stäbchenförmig,...). Sie sind 1
bis 2
Mikrometer groß und enthalten nur ein einziges Chromosom. Sie vermehren sich
über Wachstum und
Teilung
(Beispiele:
Staphylokokken,
Enterokokken, Streptokokken,...)
Viren:
Ihre Größe liegt zwischen 0,03 und 0,3 Mikrometer. Sie bestehen aus einem
Kapsid und einer Nucleinsäure (DNS oder RNS) und sie führen kein
eigenständiges Leben.
Sie vermehren sich, indem sie ihre Nucleinsäure in
die RNS ihrer Wirtszellen injizieren, die dann neue Viren hervorbringen.
(Beispiele: Pockenviren, Herpes Simplex Virus, Parvovirus,...)
Prionen:
Die noch immer nicht restlos erforschten
Prionen
bilden
nur Peptidverbindungen, welche aus ungefähr 250 Aminosäuren bestehen. Prionen zeichnen sich durch die Fähigkeit aus, in pathogener Form über
Protein-Interaktionen ihre Eigenschaften an die normale
Isoform
desselben
Proteins weiterzugeben. Diese Eigenschaft kann zu einer Infektion führen
sowie bei Säugetieren
zu einer selektiven Vernichtung von Nervenzellen.
Wir wissen noch zu wenig über diese Lebewesen, um etwas über ihre Art der
Vermehrung sagen zu können...
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Parasiten:
Sie bilden keine Familie. Der Begriff umfasst alle Mikroorganismen und
Organismen, die sich auf Kosten eines Wirtes entwickeln. Zu ihnen zählt
man bestimmte Pilze, bestimmte Algen, sowie Tiere unterschiedlicher Größe
wie Läuse, Milben oder auch Würmer. (Beispiele: Candidosis, Krätze,
Bandwurm, Leberegel,...).

Umwelt
All diese Organismen entwickeln sich normalerweise unter gewöhnlichen Temperaturen,
sei es im Wasser (verseuchtes Wasser ist der größte bekannte Überträger von
Infektionen) oder in der Luft.
Diesbezüglich sei gesagt,
dass manche moderne Technologien wie z. B. Klimaanlagen
der Verbreitung von Mikroben und von allergenen Molekülen durch die Luft
Vorschub leisten, was sich immer negativer auf die Bevölkerung auswirkt.
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Jeder fünfte Franzose leidet unter einer Allergie (Pasteur-Institut) und jedes zehnte Kind leidet unter Asthma (ISAAC). Seit 20 Jahren entwickeln sich diese Zahlen nach oben. Trotz der zunehmenden Erkenntnisse über Allergien und der Entwicklung immer wirksamerer Medikamente steigen Häufigkeit und Schwere der pathologischen Fälle weiter an. Die Ursachen hierfür sind vielfältig. Zwar können die massgeblich am Entstehen von Allergien beteiligten Erbfaktoren nicht beeinflusst werden (wenn ein Elternteil eine Allergie hat, liegt die Wahrscheinlichkeit, dass das Kind ebenfalls eine Allergie bekommen wird, bei 38 %, und sogar bei 52 %, wenn beide Elternteile unter Allergien leiden), doch kann schon ein Maßnahmenpaket zur Reduzierung des Auftretens von allergieauslösenden Faktoren wie Milben und Pollen sowie allergiefördernder Kofaktoren wie Umweltverschmutzung und Viren auf allen Ebenen der Gesellschaft Wirkung zeigen. Dieses Maßnahmenpaket beginnt mit richtiger Hygiene im Alltag. |
Auswirkungen der Forschung in der Industrie
„Die Wissenschaft erklärt, die Industrie wendet an". Die Industrie scheint auf
dem Gipfel der Technologie angekommen zu sein,
verfügt über
modernste
Analysetechniken und
unterwirft sich bei ihren Bemühungen
um Sauberkeit, Hygiene und Sicherheit
zahlreichen
Normen und Standards
(
HACCP
)
Es
werden umfassende Vorsichtsmaßnahmen
getroffen, was den Einzelnen dazu verführt, in den Irrglauben zu verfallen,
er habe nicht mehr zu tun oder zu fürchten.
Die
Situation könnte sich
positiv entwickeln, wenn das
Hygienebewusstsein
der Leute geschärft würde
und alle
über genügend Grundwissen in Sachen Hygiene verfügten und es anwendeten.
Könnten
doch logisches Denken und Verantwortungsgefühl
die Triebfeder unseres
Handelns sein!